AUFTRAGS-KOMPOSITION 2016/17

Unser Konzertmeister Laurin Lotter über die »Musik für Streichensemble, Schlagwerk und Harfe« von Max Nagl.

Komponisten des 21. Jhdts. Ihnen gehen die Ideen aus.Alles, was früher revolutionär und neu schien, wurde schon verwendet, schon komponiert. Um als Komponist noch irgendwie aufzufallen, wird versucht die Werke noch extremer, noch grässlicher als alle bisherigen zu gestalten. Das Einfügen von schrägen, für den Hörer unerwarteten Akkorden oder ganzen Melodien machten Komponisten wie Bartok oder Schostakowitsch berühmt. Jedoch wird dies heute bis ins Grauenhafteste übertrieben – so lang, bis jeglicher Hauch von Musik und somit Kunst verloren geht. In diesem Punkt macht Max Nagl nichts anders. Erste Probe … grauenhaft … Musik vergewaltigt in sechs Sätzen. Das dachte ich zumindest. Doch nach zwei harten Stimmproben und einer weiteren Streicherprobe war ich überrascht: eine wunderschöne Melodie in den hohen Streichern unterlegt von spannenden Achtelbewegungen in den Celli. Und das nicht nur ein Mal, nein, jeder Satz hat seine eigene faszinierende Melodie und Logik. Ich war fassungslos. War es möglich? Dass nach all diesen grässlichen und trotzdem langweiligen zeitgenössischen Werken von Komponisten, die nur noch eins im Sinn haben, nämlich Auffallen um jeden Preis, Max Nagl ein Stück komponiert, welches man ohne von massiven Magenkrämpfen oder Migräneanfällen gequält zu werden als »Musik« bezeichnen kann. Es scheint so. Ich bin so froh, im 21 Jhdt. einen Komponisten zu finden, der anscheinend das hat, was die meisten seiner Art im Laufe des Studiums verloren haben: den Willen schöne Musik zu komponieren.Laurin Lotter



Dieses beschriebene Werk ist die Auftragskomposition 2016, die wir beim Neujahrskonzert am 6. 1. 2017 uraufführen werden. Die Auftragskomposition 2017 wurde übrigens an den genialen Big Band-Leader, Jazzmusiker, Dirigenten, Lehrer und Komponisten Christoph Cech vergeben.